Nummern 1970-1991

Zum 1. Juni 1970 führte die Deutsche Reichsbahn bei allen Regeltriebfahrzeugen ein neues Nummernsystem ein, das durch die UIC empfohlen wurde und in Grundzügen dem zwei Jahre zuvor bei der westdeutschen Bundesbahn eingeführten Schema entsprach. Hauptkriterium für die neuen Nummern war die elektronische Datenerfassung und -verarbeitung. Um das zu ermöglichen, mussten sämtliche Kennbuchstaben wie »ET«, »ETA« oder »VT« entfallen. Da die DR zu diesem Zeitpunkt noch sehr stark von der Dampftraktion dominiert wurde, wurden für die modernen Traktionen lediglich die Baureihenbereiche 100 bis 199 (Dieseltraktion) und 200 bis 299 belegt (elektrische Traktion), wobei Lokomotiven und Triebwagen zusammengefasst wurden.

Gleichzeitig sollte für die elektronische Datenverarbeitung die Richtigkeit einer Fahrzeugnummer durch eine zusätzlich eingegebene »Kontrollziffer« nach dem Luhn-Algorithmus bestätigt werden, durch die sich Falscheingaben sofort erkennen ließen. Die »Kontrollziffer«, auch Selbstkontrollziffer oder Prüfziffer genannt,  wurde Bestandteil der neuen Nummern und durch einen Bindestrich von der tatsächlichen Betriebsnummer abgetrennt – ansonsten hat diese Ziffer keine Bedeutung und wird daher in der Fachliteratur meistens nicht genannt.

Baureihenbezeichnungen

Zum 1. Juni 1970 befanden sich im Bereich der Elektrotriebwagen insgesamt acht Typen im Einsatzbestand der DR.

Bei der Umzeichnung der Elektrotriebwagen wurden die bisherigen Kennbuchstaben »ET« gegen die neue Traktionskennzahl »2« eingetauscht, die auch für Elektrolokomotiven galt. Für die Triebwagen wurde der Baureihennummernbereich 270 bis 299 freigehalten, wobei die Reihen 270 bis 279 den Gleichstromfahrzeugen vorbehalten blieb. Die Baureihenbezeichnungen wurden so gewählt, dass die letzte Ziffer immer noch einen Rückschluss auf die bisherige Baureihenkennzeichnung zuließ. Als einzige Triebwagenbaureihe für das reguläre Wechselstromnetz waren die beiden Züge der bisherigen Baureihe ET 25 im Einsatz, nun unter der neuen Bezeichnung 285. Die »Baureihe« 278 hingegen war ein Sammelsurium für mehrere Dienst- und Baumusterzüge – also kurzum für einzelne Spezialfahrzeuge, für die nicht eigene Bezeichnungen eingerichtet werden sollten.

Baureihenbezeichnungen
alt →neualt →neu
ET 25 285 ET | EB 167 277
ET | EB | ES 165 275 diverse (ET | EB 168, 169, 170)  278
ET | EB 166 276 ET 188 279

In den 1970er-Jahren folgten noch die neuentwickelten Baureihen 270 (ab 1980) und 280 (im Jahre 1973) nach.

Ordnungsnummern

Das neue EDV-Nummernsystem der DR sah ab 1. Juli 1970 ausschließlich dreistellige Ordnungsnummern ohne Präfix vor. Einzige Ausnahme wurde bei den Dampflokomotiven mit einheitlich vierstelligen Ordnungsnummern gemacht, da diese nach damaliger Vorgabe bis 1975 abgelöst sein sollten und damit einen temporären »Regelverstoß« zu rechtfertigen schienen.

Anders als die DB bemühte sich die DR nicht, alte Ordnungsnummer konsequent unverändert zu übernehmen. Innerhalb einer Baureihe wurden die Ordnungsnummern regelmäßig beginnend mit 001 neu durchnummeriert. Dabei gab es die feste Regel, dass Mittel-, Bei- und Steuerwagen innerhalb einer Triebwageneinheit die selbe Baureihenbezeichnung wie die Triebwagenteile erhielten. Bei der Vergabe der Ordnungsnummern wurde aber darauf geachtet, dass die angetriebenen Wagen eine ungerade Nummer bekamen (also zum Beispiel 275 001-6), der zugehörige Beiwagen hingegen eine gerade Nummer (also zum Beispiel 275 002-4). In fest gekuppelten Einheiten besaß der antriebslose Wagen also immer die nächsthöhere gerade Nummer.

Bei signifikanten Bauartunterschieden innerhalb eines Typs wich die DR auf eine Kennzeichnung durch eine eigene Hunderterstelle aus. Die bisherigen ET 165 der Bauart »Wannsee« erhielten deshalb Nummern ab 275 901-7, ähnlich wurde auch bei den 278 und 279 verfahren.

Dieses Nummernschema galt bis zum 31. Dezember 1991. Ab dem Folgetag wurde das Nummernsystem an das der Deutschen Bundesbahn angeglichen.

Text: © Malte Werning

Quellen und Literatur

  • Stange, Andreas/Kubitzki, Volkmar/Scheller, Jürgen: Triebfahrzeuge der Deutschen Reichsbahn. Stand 1. Juli 1970 nebst Umzeichnungsplan vom 1. Juni 1970. Berlin 2006.