279
Im Nummernplan vom 1. Juni 1970 wurden die bisherigen Triebwagen der Baureihe ET 188 und Beiwagen der Baureihe EB 188 zur neuen Baureihe 279 zusammengefasst. Das umfasste sowohl die Gleichstrom-Trieb- und Beiwagen der vormaligen Buckower Kleinbahn als auch die Triebwagen der Oberweißbacher Bergbahn.
Die Trieb- und Beiwagen wurden bei der Umzeichnung neu durchnummeriert. Die Triebwagen erhielten ungerade Nummern (also zum Beispiel 279 001-6), die Steuerwagen hingegen eine gerade Nummer (also zum Beispiel 279 002-4). Dabei wurden die Trieb- und Steuerwagen der Zweigstrecke Müncheberg (Mark) - Buckow (Märkische Schweiz) mit den Ordnungsnummern 001 bis 006 versehen. Die Fahrzeuge der Oberweißbacher Bergbahn erhielten Nummern ab 201.
Die Probleme mit den überalterten Fahrzeugen auf beiden Strecken zwangen die DR ab 1970, ganz besonders ab Ende der 1970er-Jahre, zu Neubeschaffungen, doch Triebwagenneubauten in der DDR waren im Aufgabenplan des Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) nicht vorgesehen. Also bediente sich das zuständige Raw Schöneweide eines Tricks: Mit Teilen des laufenden S-Bahn-Umbauprogramms wurden für die Buckower Bahn drei neue Trieb- und Steuerwagen gebaut, die offiziell als Umbauten (so genannte »Rekonstruktionen«) deklariert wurden. Tatsächlich befinden sich in den neuen Zügen nur einige Ausrüstungsbauteile der alten Wagen, die ansonsten »heimlich« verschrottet wurden. Da viele Elemente aus dem laufenden S-Bahn-Programm und dem Straßenbahnbereich in den Bau einflossen, wurde die Fahrdrahtspannung bei beiden Bahnen einheitlich auf 600 V abgeändert (zuvor 500 bzw. 800 V). Auf der Oberweißbacher Bergbahn wurde 1970, 1983 und 1984 ganz ähnlich verfahren.
In den nachfolgenden Listen sind die Trieb-, Bei- und Steuerwagen grau unterlegt, die vor dem 31. Dezember 1991 aus dem DR-Einsatzbestand ausschieden und nicht mehr in den gemeinsamen Nummernplan von DB, DR und BVG vom 1. Januar 1992 überführt wurden. In diesem wurden die Triebwagen als neue Baureihe 479 eingereiht, die Bei- und Steuerwagen als neue Baureihe 879.
Die Buckower Fahrzeuge wurden am 22. Mai 1993 mit der Einstellung des elektrischen Betriebs auf ihrer Stammstrecke abgestellt. Alle Wagen wechselten 1994 in den Einsatzbestand der DB AG. Übergang zur nächsten Epoche im Zeitraster.
Trieb-, Bei- und Steuerwagen der Buckower Kleinbahn
In den 1970er-Jahren bestritt die DR die 5,17 km lange Strecke Buckow – Müncheberg immer noch mit den drei 1930 gebauten HaWa-Triebwagen sowie zwei der drei gebauten Beiwagen (279 002-0 und 279 004-6). Der dritte Beiwagen wurde schon ab 1950 als Beiwagen VB 140 603 auf anderen Strecken eingesetzt und erhielt 1970 die neue Nummer 190 852-4.
Für die Unterhaltung war schon seit 1959 das Berliner Raw Schöneweide zuständig, in dem auch die Fahrzeuge der Berliner S-Bahn unterhalten wurden. 1978 wurde der Triebwagen 279 003-8 schadhaft. In den folgenden drei Jahren wurde er als Steuerwagen weiterverwendet.
Um große Probleme bei der Ersatzteilbeschaffung zu lösen, entschied sich die DR 1980 zu einem Neubau der Fahrzeuge, deklariert als »Rekonstruktionen« der alten Fahrzeuge. Wir sind bislang davon ausgegangen, dass die alten Fahrzeuge mit der Inbetriebnahme der Neubaufahrzeuge im Raw Schöneweide verschrottet wurden. Hierzu ist aber auf der Homepage buckower-kleinbahn.de zu lesen:
Die Altfahrzeuge waren bis weit nach der Umstellung noch vorhanden. Das letzte Fahrzeug wurde erst Anfang der 1990er Jahre verschrottet.
Genauere Infos zum Verbleib der einzelnen HaWa-Trieb- und Beiwagen sind daher hochwillkommen!
1975 begann die DR mit den Planungen für eine umfassende Modernisierung der Buckower Trieb- und Beiwagen. Schwerpunkt sollte die Anpassung der elektrischen Ausrüstung für 600 V sein, bessere Einsteigsverhältnisse und modernere Inneneinrichtung, zeitgemäße Führerstände und Wendezugbetrieb mit Steuerwagen. 1980/81 begannen die Neuaufbauten der Fahrzeuge, wobei einige Quellen davon sprechen, dass Tiele der Untergestelle nach Anpassungsarbeiten weiterverwendet wurden (was allerdings dem oben genannten Zitat widersprechen würde).
Das Raw Schöneweide schuf drei zweiachsige Trieb- und drei Steuerwagen, die in ihren Grundabmessungen identisch waren und einen zentralen Mitteleinstieg erhielten. Optisch und technisch lehnten sich die Fahrzeuge stark an das laufende Modernisierungsprogramm für die Baureihe 276.1 (»275 mod«) an. Die Triebwagen erhielten Tatzlagerantriebe. Üblicherweise wurden die Züge immer als Pärchen mit einem ET und einem ES eingesetzt, die Triebwagen konnten aber dank eines zweiten Führerstandes auch einzeln fahren.
Die Farben der Fahrzeuge richtete sich nach den S-Bahnen Berlins. Nach anfänglicher Lackierung in Bordeaux und Rehbraun wurden auch bei den Buckower Fahrzeugen die neuen »Hauptstadtfarben« der DR lackiert, bordeaux und elfenbeinbeige.
| Fahrzeugnummer | Hersteller (mech.) | Fabriknummer | Baujahr | Gattung | Skizzenblatt | Achsfolge | Bauart | ||||||
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| 6 Fahrzeuge | |||||||||||
| 279 001-2 | Raw Schöneweide (Berlin) | ? | 1981 | Btreu | Bo-el |
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| 279 002-0 | Raw Schöneweide (Berlin) | ? | 1981 | Baaeq | 2 |
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| 279 003-8 | Raw Schöneweide (Berlin) | ? | 1981 | Btreu | Bo-el |
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| 279 004-6 | Raw Schöneweide (Berlin) | ? | 1981 | Baaeq | 2 |
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| 279 005-3 | Raw Schöneweide (Berlin) | ? | 1981 | Btreu | Bo-el |
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| 279 006-0 | Raw Schöneweide (Berlin) | ? | 1981 | Baaeq | 2 |
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Trieb- und Beiwagen der Oberweißbacher Bergbahn
Von 1970 bis 1982
Mit Inkrafttreten des Nummernplans 1970 bestritt die DR die Oberweißbacher Bergbahn den Betrieb ausschließlich mit dem 1963 gebauten 279 203-4, vormals ET 188 701. Der zweite Triebwagen der Flachstrecke Lichtenhain – Cursdorf ET 188 531 war schon 1968 ins Raw Berlin-Schöneweide abkommandiert worden, wobei sein Gesamtzustand keine weitere Aufarbeitung mehr rechtfertigte.
Stattdessen baute das Raw 1970 einen komplett neuen Triebwagen auf. Dabei konnte das Werk auf Bauelemente von Straßenbahn- und S-Bahn-Fahrzeugen zugreifen. Die Stirnfronten wurden nach dem Vorbild der U-Bahn-Großprofilwagen der Bauart E III gestaltet. Autoscheinwerfer dienten als Stirnleuchten.1971 wurde dieses Fahrzeug mit der Nummer 279 201-8 in Dienst gestellt und in den kommenden Jahren gemeinsam mit 279 203-4 eingesetzt. Die Stationierung der beiden Fahrzeuge erfolgte beim Bw Saalfeld, Einsatzstelle Lichtenhain.
Betrieblich forderte die Bahn einen weiteren Wagen, um genügend Kapazitäten vorhalten zu können, auch wenn ein Triebwagen wegen eines Schadens oder einer Inspektion unabkömmlich war. Bei der Suche nach einem Wagen mit großem Platzangebot bei gleichzeitig kompakten Abmessungen entschied sich die DR für den Wismar-Beiwagen 190 840-9, der 1940 für die Niederbarnimer Eisenbahn beschafft worden war. Das Raw Schöneweide baute den Wagen 1973 in einen Steuerwagen um, wobei das Fahrzeug einseitig einen Steuerstand erhielt. Die elektrische Anlage des Wagens wurde dabei komplett erneuert. Unter der neuen Nummer 279 202-6 wurde der neue Steuerwagen ab Juni 1974 auf der Strecke eingesetzt. Wendezugbetrieb konnte allerdings erst durchgeführt werden, als auch die beiden Triebwagen 1975 für den Steuerwagenbetrieb angepasst wurden. Fotos dieses interessanten Steuerwagens liegen uns bislang nicht vor – kann hier ein Leser mit Bildern dienen?
1982 stellte die Oberweißbacher Bergbahn ihre Adhäsionsstrecke auf 600 V Gleichstrom um. Die erforderlichen Anpassungsarbeiten wurden an 279 202-6 und 279 203-4 nicht mehr durchgeführt und die beiden Fahrzeuge verschrottet. An ihrer Stelle beschaffte die DR zwei weitere Neubaufahrzeuge.
Von 1983 bis 1991
Die DR stellte auch für die Oberweißbacher Bergbahn ab Mitte der 1970er-Jahre Überlegungen an, wie der Betrieb auf der 2,6 km langen elektrifizierten Flachstrecke zwischen der Standseilbahnstation Lichtenhain und dem Endpunkt Cursdorf langfristig weiterbetrieben werden könne. Ähnlich wie bei der Strecke Buckow – Müncheberg (vormalige Buckower Kleinbahn, siehe oben) entschied sich die DR für eine Modernisierung bei weitgehender Vereinheitlichung der Bauteile, und zwar sowohl der Fahrzeuge als auch der 2,6 Kilometer Strecke. Dazu gehörte auch bei dieser Bahn die Erhöhung der Gleichspannung von 500 auf 600 V, außerdem eine Neuelektrifizierung der Strecke mit neuen Fahrleitungsmasten und verlängerten Auslegern. Auf diese Weise konnten auch hier die Baugruppen mit denen der Berliner S-Bahn weitgehend vereinheitlicht und Ersatzteilprobleme minimiert werden.
Von September 1982 bis Januar 1983 baute das Raw Schöneweide den 279 201-8 aus dem Jahre 1970 um. Der Triebwagen erhielt neue leistungsfähigere Fahrmotoren und eine auf 600 V Gleichstrom ausgelegte Bordelektrik. Die Führerstände wurden nun zu eigenen Räumen vom Fahrgastraum abgetrennt. Neben der Modernisierung der Inneneinrichtung wurde auch der Stromabnehmer passend zu den neuen Fahrdrahtauslegern mittig auf dem Dach angeordnet, während die Frontleuchten ihre heutige Form erhielten.
Nach dem Vorbild des 279 201-8 baute das Raw Schöneweide 1983 zwei weitere weitgehend baugleiche Triebwagen mit den Nummern 279 203-6 und 279 205-9, die 1984 in Betrieb genommen wurden und nun die Möglichkeit eröffneten, mit zwei Wagen zu fahren und einen Triebwagen in Reserve zu halten.
Die drei Fahrzeuge erhielten zunächst die übliche Farbgebung Bordeaux und Rehbraun, wie es das Raw Schöneweide standardmäßig an seinen Fahrzeugen lackierte. 279 205-9 trug ab Ende der 1980er-Jahre bis 1992 die »Hauptstadtfarben« der DR mit einem abgedunkelten Bordeauxrot und Elfenbeinbeige analog zu den Zügen der Berliner S-Bahn. Ab 1992 wurden die Fahrzeuge in Rubinrot und Ockergelb lackiert.
Text: © Malte Werning
Quellen und Literatur
- Buckower Kleinbahn e. V.: www.buckower-kleinbahn.de
- Ermer, Andreas: 50 Jahre elektrische Regelspurbahn Müncheberg – Buckow (Märkische Schweiz). In: Der Modelleisenbahner 4/1980.
- Hahn, Clemens: Album der DR-Lokomotiven. München 2000
- Kurth, Michael: Die Oberweißbacher Bergbahn. EK-Reihe Regionale Verkehrsgeschichte, Band 19. Freiburg 1998
- Lohr, Herrmann / Thielmann, Georg: Die Oberweißbacher Bergbahn. Berlin 1991.
- Machel, Wolf-Dietger: Müncheberg – Buckow. In: Neben- und Schmalspurbahnen in Deutschland einst & jetzt. Loseblattsammlung, München 1994-2022.