280

Gattung BD B Länge über Schaku 24 300 mm* Motorbauart
WMFB 0407-148
Baujahre 1973, 1974 Länge Wagenkasten 23 800 mm Leistung 4 x 210 kW
Sitzpl. 1. - 2. - Klapps. 0-78-0* 0-88-0 Gesamtachsstand 19 500 mm Fahrleitungsspannung 15 kV 16 2/3 Hz
Dienstgewicht ca. 48 t Dachhöhe über S.O. 3 930 mm    
Höchstgeschwindigkeit 120 km/h Fußboden über S.O. 1 045 mm Antriebsart Tatzlager
Raddurchmesser 850 mm Breite 2 910 mm Heizung elektrisch
Alle Angaben beziehen sich auf die Einzelwagen. * Angabe nur für Endtriebwagen
Abweichende Angaben im gepunkteten Kasten nur für Mitteltriebwagen
280 005-0. Foto: G. Rejke (Archiv J. Steimecke)
Im März 1974 wurde die neue Baureihe 280 auf der Leipziger Frühjahrsmesse dem Publikum vorgestellt.
280 008-4. Foto: G. Rejke (Archiv J. Steimecke)
Der Wagenübergang zwischen den beiden Mittelwagen 280 008-4 und 280 006-8 (Leipzig, 1974).
Fotos (2): G. Rejke (Archiv J. Steimecke)

Für das S-Bahn-Netz Halle/Leipzig, Magdeburg und Dresden entwickelte die DR Anfang der 1970er-Jahre einen neuen Elektrotriebzug, der die bislang eingesetzten Doppelstockwendezüge ersetzen sollte. Im Gegensatz zum Berliner S-Bahn-Netz wurde hier das konventionelle Oberleitungsnetz verwendet. Die neuen Züge sollten schnell und spurtstark werden und in über 110 Einheiten beschafft werden.

Konzipiert wurden die Züge als vierteilige Einheiten mit je zwei vierachsigen Endwagen und zwei vierachsigen Mittelwagen, wobei alle Radsätze angetrieben werden sollten. Führerräume besaßen nur die beiden außen liegenden Endwagen, doch konnten innerbetrieblich die Züge in zwei zweiteilige Einheiten zerlegt werden (»Halbzug«). Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 120 km/h, in einer Einheit sollen 332 Sitzplätze zur Verfügung stehen. Geplant war, dass bis zu drei Vollzüge (also 12 Wagen) gemeinsam eingesetzt werden. Die Vollzüge waren untereinander mit Hülsenkreuzkupplungen ausgestattet und besaßen Wagenübergänge. Jede Wagenseite besaß zwei große Doppelflügelaußentüren, die pneumatisch geschlossen werden konnten. Die Vollzüge konnten mittels Scharfenbergkupplung verbunden werden.

Im Oktober 1973 wurde die ersten Einheit der neuen Baureihe 280 vom Kombinat VEB LEW Hennigsdorf ausgeliefert. Die Endwagen erhielten ungerade Ordnungsnummern, die Mittelwagen gerade. Die zweite Einheit wurde im März 1974 fertiggestellt und zuerst auf der Leipziger Frühjahrsmesse dem Publikum vorgestellt.

Bereits im Probeeinsatz zeigten sich sowohl konzeptionelle als auch technische Probleme. Einerseits konnten die Triebzüge bei der Sitzplatzkapazität nicht mit den Wendezügen mithalten, und eine eigens in Leipzig erreichtete Wartungshalle war zu kurz für einen kompletten Triebzug. Probleme bereitete sowohl der hohe Stromverbrauch der insgesamt 16 Fahrmotoren pro Einheit als auch die Bremsanlage, so dass es zu langen Abstellzeiten kam. Ein Serienbau entblieb daraufhin, es blieb bei den beiden Prototyp-Zügen. Ausschlaggebend dafür waren nicht zuletzte Kapazitätsengpässe in Hennigsdorf.

Nach Einsätzen bei der Leipziger S-Bahn 1975 wurden beide Züge 1976 von Magdeburg aus eingesetzt, blieben aber in Leipzig beheimatet. Schon im Herbst 1978 wurden die Züge abgestellt. Erneute Einsätze von Leipzig aus währten nur kurz.

Nach erneuter Abstellzeit wurden die Fahrzeuge umgebaut und ab 1984 als Bahndienstfahrzeuge für die Oberteitungsmontage und andere Bauaufgaben verwendet. Sie wurden dabei in verschiedenen Konfigurationen und als Einzelfahrzeuge bis 1989 verwendet. Nach einer erneuten Abstellung erfolgte im Oktober 1992 die finale Ausmusterung. Zu diesem Zeitpunkt waren einzelne Fahrzeuge bereits verschrottet, die übrigen folgten daraufhin rasch.

In der nachfolgenden Liste sind sämtliche Fahrzeuge grau unterlegt, da sie bereits vor dem 1. Januar 1994 unter dieser Nummer aus dem Einsatzbestand ausschieden und nicht mehr in den Bestand der Deutschen Bahn AG übergingen.

Fahrzeugnummer Hersteller (mech.) Fabriknummer Baujahr Gattung | Skizzenblatt Achsfolge | Bauart        
8 Fahrzeuge
280 001-9 LEW (Hennigsdorf) 13193 1973 Bo'Bo'-el Dieses Fahrzeug wurde verschrottet.
280 002-7 LEW (Hennigsdorf) 13194 1973 Bo'Bo'-el Dieses Fahrzeug wurde verschrottet.
280 003-5 LEW (Hennigsdorf) 13195 1973 Bo'Bo'-el Dieses Fahrzeug wurde verschrottet.
280 004-3 LEW (Hennigsdorf) 13196 1973 Bo'Bo'-el Dieses Fahrzeug wurde verschrottet.
280 005-0 LEW (Hennigsdorf) 13727 1974 Bo'Bo'-el Es liegen Fotos dieses Fahrzeugs vor. Dieses Fahrzeug wurde verschrottet.
280 006-8 LEW (Hennigsdorf) 13728 1974 Bo'Bo'-el Dieses Fahrzeug wurde verschrottet.
280 007-6 LEW (Hennigsdorf) 13729 1974 Bo'Bo'-el Dieses Fahrzeug wurde verschrottet.
280 008-4 LEW (Hennigsdorf) 13730 1974 Bo'Bo'-el Es liegen Fotos dieses Fahrzeugs vor. Dieses Fahrzeug wurde verschrottet.

Text: © Malte Werning

Quellen und Literatur

  • Autorenkollektiv: Neuer LEW-Elektrotriebzug der Baureihe 280 für DDR-Bezirksstädte. In: Modelleisenbahner 2/1974
  • Borbe, Thomas / Glanert, Peter: Elektrische Triebwagen in Mitteldeutschland. Fürstenfeldbruck / Essen 2015
  • Glanert, Peter / Scherrans, Thomas / Borbe, Thomas / Lüderitz, Ralph: Wechselstrom-Zugbetrieb in Deutschland. Bd 3: Die Deutsche Reichsbahn, Teil 1 - 1947 bis 1960. München 2012.
  • Krolupper, Heiko: Die Baureihe 280 der Deutschen Reichsbahn