Triebwagen von Graaff

ET 204. Foto: W. Stock (Archiv L. Kenning)
Elektrischer Triebwagen 204 für die Bad Eilsener Kleinbahn (1955). Foto: W. Stock (Archiv L. Kenning)
BOE 163. Foto: H.-J. Credé.
Dieseltriebwagen 163 der BOE ist der dritte und letztgebaute Graaff-Triebwagen. Foto: H.-J. Credé

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ie Waggonfabrik Graaff in Elze gehört zu den kleineren deutschen Waggonherstellern und tritt nur in den Jahren 1950 bis 1953 kurz als Konstrukteur von Triebwagen auf. Das Unternehmen entstand aus der 1914 gegründeten Waggonfabrik Heine & Holländer, die in den 1920er- und 1930er-Jahren vor allem Kessel- und Kühlwagen, außerdem Gepäckwagen Omnibusaufbauten und ab 1927 Straßenbahnen. 1934, in der Zeit der Judenverfolgung, übernahm Josef Graaff die Firma und führte sie unter dem Namen Niedersächsische Waggonfabrik Joseph Graaff weiter.

Nach dem Neuaufbau der Waggonfabrik nach dem Zweiten Weltkrieg fertigte Graaff weiter Güterwagen, darunter auch einige Aufträge für die Deutsche Bundesbahn. Ab Anfang 1949konstruierte der Hersteller zwei Triebwagen, bei denen es sich auf die jeweiligen Besteller zugeschnittene Fahrzeuge handelte: Den Auftakt machte ein vierachsiger elektrischer Triebwagen für die Bad Eilser Kleinbahn, der als »erster nach dem Zweiten Weltkrieg in einer Waggonfabrik gebauten Triebwagen für eine nicht bundeseigene Eisenbahn« in den Medien Beachtung fand (was als Meldung angesichts der zeitgleichen Entwicklung bei Talbot für Schmalspurbahnen mit Vorsicht zu genießen ist). Der Wagen fiel durch gesickte Seitenwände, die dem Aufbau trotz Leichtbaufertigung eine ausreichende Stabilität verliehen, besonders auf.

Optisch ähnlich fiel ein vierachsiger Dieseltriebwagen aus, der 1950 für die Bremervörde-Osterholzer Eisenbahn (BOE) entstand. Der Wagen hatte zwei KHD-Maschinenanlagen mit je 130 PS Leistung und Mylius-Getriebe und war mit 70 km/h Höchstgeschwindigkeit auch hauptbahntauglich. Anfangs besaß er Seitenwandschürzen und Stirntüren, die später entfernt wurden. Der Wagenkasten wurde in selbsttragender Bauweise in Schalenbauweise ausgeführt. Um eine größere Steifigkeit zu erreichen, wurden auch bei diesem Wagen längsseitig zusätzliche Sicken eingebracht.

Ihm folgte 1953 ein weiterer Graaff-Triebwagen für die BOE, der in seiner Grundkonzeption ähnlich aufgebaut war. Die Sicken in den Seitenwänden reichten bei ihm auch bis über die Stirnfronten, die hier bereits ab Werk ohne Übergangstüren ausgeführt wurden.

Für die Kreisbahn Osterode-Kreiensen baute Waggonbau Graaff im Jahre 19xx außerdem auch noch zwei vierachsige Beiwagen für 750 mm Spurweite, die ebenfalls durch ihre Sicken in den Seitenwänden aus dem Rahmen fielen.

Nach diesen drei Triebwagenbauten konzentrierte sich Graaff vor allem auf die Fertigung von Autotransportwagen und Behältertragwagen. Die Firma existiert nach wie vor, sie wurde 2008 von der Unternehmensgruppe VTG übernommen.

Fabriknummer Betreiber Fahrzeugnummer Baujahr Gattung | Skizzenblatt Achsfolge | Bauart      
3 Fahrzeuge
7384 BOE 162 1950 (1A)'(A1)'-dm Es liegen Revisionsdaten vor.
7385 BEK ET 204 1950 (1A)'(A1)'-el Dieses Fahrzeug wurde verschrottet.
8375 BOE 163 1953 (1A)'(A1)'-dm Es liegen Fotos dieses Fahrzeugs vor. Dieses Fahrzeug wurde verschrottet.

Erwähnung finden sollten auch noch zwei Beiwagen für die Kreisbahn Osterode-Kreiensen (K.O.K.). Auf der Basis zweier alter Fahrgestelle, vermutlich von vierachsigen Güterwagen, fertigte Waggonbau Graaff im Jahre 1950 außerdem auch noch zwei Beiwagen für 750 mm Spurweite, die ebenfalls durch ihre Sicken in den Seitenwänden aus dem Rahmen fielen. Die Wagen besaßen eine zusätzliche Druckluftbremse und erhielten eine rot-beige Farbgebung, passend zu den Triebwagen.

Hersteller (mech.) Fabriknummer Baujahr Betreiber Fahrzeugnummer Achsfolge | Bauart      
2 Fahrzeuge
? (Unbekannt) ? ? K.O.K. VB 21 2'2' Der Verbleib dieses Fahrzeugs ist unbekannt.
? (Unbekannt) ? ? K.O.K. VB 22 2'2' Der Verbleib dieses Fahrzeugs ist unbekannt.

Text: © Malte Werning

Quellen und Literatur

  • Wolff, Gerd: Deutsche Klein- und Privatbahnen, Band 10: Niedersachsen 2 - Zwischen Weser und Elbe. Freiburg 2007
  • Wolff, Gerd: Deutsche Klein- und Privatbahnen, Band 11: Niedersachsen 3 - Südlich des Mittellandkanals. Freiburg 2009