Deutsche Bahn AG (1994- )

"Bahnreform" war 1993 das Schlagwort, als die Deutsche Bundesbahn und die Deutsche Reichsbahn nicht nur ihren Zusammenschluss zu einer einzigen deutschen Staatsbahn planten, sondern auch angesichts der massiven Belastung des bundesdeutschen Staatshaushaltes einen massiven Umbau der Bahn planten. Zum 1. Januar 1994 entstand daraufhin die "Deutsche Bahn AG" als Rechtsnachfolger der beiden ehemaligen Staatsbahnen DB und DR. Auch wenn das offizielle DB-Emblem weiterhin nur die beiden Buchstaben "DB" verwendet, wird in den Fahrzeuglebensläufen bei triebwagenarchiv.de das Kürzel "DB AG" als Unterscheidungsmerkmal aufgeführt.

Die Umstruktierung der Bahn, die von einem defizitären Staatsunternehmen zu einem lukrativen privatwirtschaftlich geführten Unternehmern an der Börse gewandelt werden soll, dauert bis heute an. Ein wesentliches Merkmal dabei ist die Aufteilung der Zugförderung in verschiedene Produktsparten (Güterverkehr, Fernreiseverkehr, Nahverkehr etc.). Dies betrifft auch die Triebwagen der DB, die zum 1. Juli 1999 an die beiden neugegründeten Töchter DB Reise & Touristik (alle ICE-Züge) und DB Regio AG (sämtliche Nahverkehrszüge) übergeben wurden. Die Bahndienstfahrzeuge hingegen wechselten zu weiteren Unterfirmen (DB System, DB Netz etc.). Im Vorgriff auf diese Aufteilung wurden die Triebfahrzeuge bereits zum Jahresbeginn 1998 auf verschiedene Geschäftsbereiche (GB) übertragen.

Die komplizierten Strukturen, die seit 1999 entstanden sind, sind für den Außenstehenden nur schwerlich durchschaubar. An den Fahrzeugen ist meistens auch weiterhin das DB-Emblem des Mutterkonzerns angebracht, viele Fahrzeuge gehören jedoch mittlerweile einigen z.T. nur regional tätigen Tochterfirmen, wie zum Beispiel der Kurhessenbahn (KHB), der Westfrankenbahn (WFB) oder Südostbayernbahn (SOB).

Für die auf den folgenden Seiten aufgeführten Fahrzeuglisten sind diese unterschiedlichen Eigentümer nicht von Belang, solange das Fahrzeug weiterhin innerhalb des DB Konzerns eine reguläre Triebfahrzeugnummer besitzt.

Triebwagen bei der DB AG

Mit der "Bahnreform" flossen ab 1994 neue zweckgebundene Gelder, die die Bundesländer für die regionalen Verkehrsaufgaben nach eigenem Dafürhalten verwenden können. Aus diesem Grund wurden in den darauffolgenden Jahren der Betrieb auf mehrere Streckennetze öffentlich ausgeschrieben, um den Wettbewerb auf der Schiene zu fördern. Neben der DB AG selbst, die viele Verkehrsaufgaben an die private Konkurrenz verlor, aber später auch teilweise "zurückerobern" konnte, drängten zahlreiche neue Eisenbahnverkehrsunternehmen auf den Markt.

Dies führte ab 1995 zu einem sprunghaft steigenden Bedarf an modernen Triebwagenzügen bei der DB AG, um bei Ausschreiben qualitativ hochwertigen Nahverkehr anbieten zu können (die zuletzt beschaffte Baureihe 628.4 hatte bei Ausschreibungen schon wegen mangelnder behindertenfreundlichkeit schlechte Karten). Mit zum Teil großer Unterstützung der Länder wurden daraufhin mehrere neue Dieseltriebwagenbauarten (640-644, 646, 648, 650, 670) nach unterschiedlichen Konzepten geschaffen, die fast durchgehend »von der Stange« gekauft wurden: Hatte bislang die Bahn selbst ihre Fahrzeuge entwickelt, griff man nun auf vorhandene Konzepte der Industrie zurück. Bei den Elektrotriebwagen wurde eine gänzlich neue Fahrzeugfamilie (423-426, 433-435) geschaffen, die allerdings wieder maßgeblich durch die DB AG mitgestaltet wurde. Die daraus entwickelten Nachfolger (422/432 und 430/431) für den S-Bahn-Verkehr entstanden ab 2007.

In der Folge nahm der Anteil an Triebwageneinsätzen nicht nur im Regionalverkehr, sondern auch im Fernverkehr zu. Nach den noch zu DB-Zeiten entwickelten ICE 1 und 2 beschaffte die DB AG die dritte ICE-Generation (Baureihen 403, 406, 407) sowie die Neigetechnik-Züge 411, 415 und 605.

Ab 2008 beschaffte die DB AG vor allem elektrische Züge auf der Basis von Herstellervorschlägen, bei denen sich das Zulassungsverfahren der noch neuen und unausgereiften Konstruktionen aber regelmäßig als langwierig und unberechenbar herausstellte (Baureihen 440 ff (Alstom), 442 (Bombardier), 407 (Siemens). Daneben wurde auf dem Dieselsektor bis 2011 die Baureihe 648 weiterbeschafft. Ab 2013 sollen hingegen die ersten dreiteiligen Dieseltriebzüge einer neuen LINT-Generation aus dem Hause Alstom in den Einsatz gehen.

Nummernschema

Die DB AG übernahm den gemeinsamen Nummernplan von DB und DR vom 1. Januar 1992 unverändert und wendet ihn nach wie vor an.

Seit 2007 werden an hauptuntersuchten Triebfahrzeugen neue (vom Eisenbahnbundesamt vorgeschriebene) Nummern angebracht, die die bisherigen Nummern ergänzen und (wie bei den Güter- und Personenwagen schon länger üblich) nach einem internationalen Standard aufgebaut sind. Inwiefern dies künftig für die Triebwagennummerierung prägend sein wird, bleibt abzuwarten.