Elektrotriebwagen

ET 87
Dreiteiliger preußischer Elektrotriebzug mit Mitteltriebwagen (BC3ielS + PwPost3ielT + C3itrelS) für das elektrische Netz in Schlesien, später als ET 87 bezeichnet. Quelle: [1]

Durch die Gründung der Reichseisenbahnen bzw. der DRG gelangten 1920 bzw. 1924 insgesamt folgende von den Länderbahnen entwickelte elektrische Triebwagen in deren Bestand, die allesamt aus Preußen stammten:

    6 dreiteilige Triebzüge für 15 kV 16 2/3 Hz Oberleitungsbetrieb in Schlesien
  • 4 Triebwagen für 15 kV 16 2/3 Hz Oberleitungsbetrieb in Schlesien
  • ca. 140 zweiteilige Triebwagen für 6 kV 25 Hz Oberleitungsbetrieb in Hamburg
  • xxx elektrische Triebwagen mit Akkumulatorenspeisung (siehe Speichertriebwagen)

Als die Reichseisenbahnen 1920 bzw. die DRG / Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft 1924 gegründet wurde, übernahm sie neben den württembergischen und badischen Dampftriebwagen auch mehrere Elektrotriebwagen, die die Preußisch-Hessischen Staatseisenbahnen seit 1907 beschafften. Darunter befanden sich neben einer großen Zahl an Akkutriebwagen auch bereits zahlreiche Elektrotriebwagen, die Einphasenwechselstrom aus Oberleitungen bezogen. Auf Initiative von Gustav Wittfeld hatte Preußen bereits ab 1902 Versuche unternommen, die in die Elektrifizierung der Hamburger-Altonaer Vorortstrecke Blankenese - Ohlsdorf 1907 mit 6 kV 25 Hz mündeten. Nach dem Ȇbereinkommen betreffend die Ausführung elektrischer Zugförderung« zwischen Preußen, Bayern und Baden und die generelle Einigung auf 15 kV 16 2/3 Hz im Jahre 1913 wurde die Elektrifizierung der als weitere Versuchsstrecke auserkorene schlesische Gebirgsbahn (1912) und die geplante Elektrifizierung Berliner Vorortstrecken (1913) mit den neuen Vorgaben vorangetrieben – bei letzterer wurden die Planungen nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges allerdings zunächst auf Eis gelegt.

Für die Hamburg-Altonaer Vorortbahn wurden nach weiteren Linienergänzungen bis 1914 insgesamt 140 zweiteilige elektrische Triebwagen beschafft, die in vielen Details Gemeinsamkeiten mit den »Wittfeldschen Akkutriebwagen« besaßen. Für die schlesische Gebirgsbahn wurden 1914 sechs Elektrotriebwagen angeschafft, die allerdings wegen der gänzlich anderen Anforderungen aus zwei Steuerwagen mit einem dazwischen eingestellten Motorwagen (mit Packabteil) gebildet wurden. Für Berlin wurden 1914 vier einteilige Versuchswagen in Auftrag gegeben, die allerdings erst 1920 fertiggestellt wurden – zu diesem Zeitpunkt stand aber bereits fest, dass die »Elektrisierung« mit Gleichstrom erfolgen sollte, so dass diese Fahrzeuge ebenfalls in Schlesien eine Heimat fanden.

Während die Pläne zu weiteren Streckenelektrifizierungen erst ab 1921 zunächst im Raum Leipzig wieder aufgenommen wurden, begann 1krupp_2884_02 der Bau von Stromschienen entlang der Strecke Berlin Stettiner Bahnhof - Bernau. Als Teststrecke für den Ausbau der Berliner Vorortbahnen mit 800 V Gleichstrom wurde diese Linie gewählt und ab 1924 mit sechs zehnteiligen Versuchszügen befahren, die nun den Fahrstrom aus den Stromschienen abnahmen. 1925 wurde eine erste Serie über 17 Züge beschafft, während 1926 schon 50 Einheiten der zweiteiligen Bauart »Oranienburg« zur Auslieferung kamen. Auch der Hamburger Fahrzeugpark benötigte bereits Erneuerung, so dass hier 1924 erste Neubaufahrzeuge in Dienst gestellt wurden: Gegenüber den älteren Hamburger Fahrzeugen wurden die beiden Fahrzeugteile nun mit einem gemeinsamen Jakobsdrehgestell verbunden. Diese Methode wurde auch bei einem Versuchszug in Berlin erprobt, fiel dort aber durch. Während für Hamburg bis 1933 insgesamt 57 Neubaufahrzeuge entstanden, wurde in Berlin ab 1925 ein neuer Fahrzeugtyp entwickelt, der mit über 680 zweiteiligen Einheiten zu einem »Klassiker« der Berliner S-Bahn wurde und als »Stadtbahner« jahrzehntelang nicht aus Berlin wegzudenken war.