420 | 421

420 111. Foto: M. Hafenrichter
420 111 der 1. Bauserie in grünblau-kieselgrauem Lack für die S-Bahn München (1979) Foto: M. Hafenrichter
420 381. Foto: M. Werning
420 381 aus der 6. Bauserie im reinorange-kieselgrauen Lack, wie er bei den S-Bahn-Netzen Rhein-Ruhr, Frankfurt (Main) und Stuttgart zum Einsatz kam (1985) Foto: M. Werning
420 400. Foto: N. Schmitz
420 400 der 7. Bauserie wurde im ab 1987 gültigen lachsorgange-pastellgelb-lichtgrauen Lack ausgeliefert und erhielt zusätzlich ein markantes »M» zur Kennzeichnung der Münchner Flughafenlinie (1992) Foto: N. Schmitz
420. Foto: A. Mehnert
420 in Sonderlackierung für die Münchener Flughafenlinie (1994) Foto: A. Mehnert

Die Baureihe 420 | 421 wurde noch unter der alten Bezeichnung ET 20 Ende der 1960er-Jahre als leistungsfähiger Elektrotriebwagen für den S-Bahn-Verkehr für Oberleitungsbetrieb konzipiert (zu diesem Zeitpunkt existierten S-Bahn-Netze in Deutschland nur in Hamburg und Berlin in autarken Streckennetzen). Der dreiteilige Zug wurde vornehmlich für das geplante Münchener S-Bahn-Netz projektiert, sollte aber auch als Standardfahrzeug für weitere im Aufbau befindliche S-Bahn-Netze dienen. Da die neuen Netze fast alle in den Innenstadtbereichen unterirdische Streckenabschnitte mit starken Steigungs- und Gefälleabschnitten besaßen, kam für die Einhaltung von Fahrzeiten nur ein Fahrzeug mit Allachsantrieb für ein bestmögliches Beschleunigungspotenzial in Frage.

Zu der 1972 stattfindenen Olympiade sollte in München das grundlegende S-Bahn-Netz fertiggestellt sein. Zum Jahreswechsel 1969/70 wurden die ersten drei Vorauszüge ausgeliefert, deren Lackierung mit kieselgrauem Grundton sich an den aktuellen Pop-Farben der DB orientierte. Die Fensterbänder und Zierstreifen des 420 001 + 421 001 + 420 501 war in Reinorange, bei 420 002 + 421 002 + 421 502 in Grünblau und bei 420 003 + 421 003 + 421 503 in Karminrot lackiert. Für die weitere Auslieferung der Münchener Züge entschied man sich für die blaue Variante, alle anderen Züge wurden später in der reinorangenen Variante lackiert. Die Farbgebung des 420 003 ff. wurde nicht weiterverfolgt.

Die dreiteiligen Züge bestehen aus einem A-Wagen Baureihe 420 mit Nummern ab 001 und einem B-Wagen 420 mit Nummern ab 501. Die Mittelwagen werden als 421 bezeichnet und besitzen stets die gleiche Ordnungsnummer wie der A-Wagen. Pro Wagenseite befinden sich vier Schiebetüren für einen schnellen Fahrgastwechsel. Die Züge beeindrucken mit einer Beschleunigung von 0 auf 120 km/h in nur 44 Sekunden. Bis zu drei Züge können über automatische Scharfenbergkupplungen miteinander gekuppelt und von einem Führerraum aus gesteuert werden.

Im Dezember 1970 begann die Auslieferung der Serienzüge. Zur Eröffnung der Olympischen Spiele standen in München bereits alle 117 Garnituren der ersten Bauserie (004-120) zur Verfügung. Direkt im Anschluss, ab August 1972 begann die Auslieferung der 2. Bauserie über 80 Züge (121-200), die vor allem für die das Bw Düsseldorf Hbf für die S-Bahn Rhein-Ruhr bestimmt waren. Zwischen 1976 und 1981 wurden 190 weitere Züge in vier deutlich kleineren Bauserien beschafft, die vor allem in Frankfurt (Main) und Plochingen (Stuttgart) stationiert wurden.

Ab 1987 wurden die Züge bei Neulackierungen ausnahmslos in den neuen Produktfarben Lachsorgange-Pastellgelb-Lichtgrau lackiert, das oberflächlich betrachtet den alten S-Bahn-Farben. Die blaue Münchener Lackierung wurde daraufhin zunehmend seltener.

Nach achtjähriger Beschaffungspause begann im Oktober 1989 die Lieferung von 31 technisch stark weiterentwickelten Zügen der 7. Bauserie, die bis März 1993 vollständig ausgeliefert war (400-430). Die Nummern 391 bis 399 wurden dabei nicht belegt. Ab Herbst 1993 begann die Auslieferung der ersten von 59 Zügen der 8. und letzten Bauserie, doch liegt die Inbetriebnahme eines Großteils dieser Fahrzeuge bereits in der Zeitepoche der Deutschen Bahn AG (also nach dem 1.1.1994).

Während der Einsatzjahre mussten vor allem Mittelwagen aus dem Bestand gestrichen werden, die gelegentlich Opfer von Brandstiftungen wurden. Aus diesem Grund ließ die DB, teilweise sogar rein vorsorglich, elf Mittelwagen nachbauen, die in bestehende Züge eingereiht werden konnten. Es war stets Usus, dass die Züge „nummernrein“ liefen, das heißt, dass immer die gleiche Ordnungsnummer (beim B-Wagen um den Wert 500 erhöht) in einer Zuggarnitur lief. Da es in einigen Fällen zum Tausch von End- und Mittelwagen kam, wurden die Fahrzeuge dann auch umnummeriert. In den jeweiligen Lebenslaufdatensätzen wird das entsprechend dokumentiert.

1994 wurden nahezu sämtliche Einheiten von der Deutschen Bahn AG übernommen. Übergang zur nächsten Epoche im Zeitraster.