719 | 720

Unter den Baureihenbezeichnungen 719 und 720 hat die Deutsche Bahn AG die mehrteiligen Schienenprüfzüge und Lichtraummesszüge zusammengefasst.

719.0

719 001. Foto: M. Werning
719 001 in Duisburg Hbf (2007) Foto: M. Werning

Übergang aus der vorangegangen Epoche im Zeitraster. 1994 wurde der dreiteilige Schienenprüfzug 719 001 | 720 001 | 719 501 von der Deutschen Bahn AG übernommen und später dem für die Streckeninfrastruktur zuständigen Tochterunternehmen DB Netz AG zugeteilt. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte sich das ehemalige BZA Minden bereits mit einer Ablösung des 20 Jahre alten Zugs, dessen Technik längst nicht mehr auf dem aktuellen Stand war.

Obwohl 1996 ein neuer Schienenprüfzug angeschafft wurde, entschied sich DB Netz um 2000 auch den älteren Schienenprüfzug wieder aufzuarbeiten und einzusetzen. Die Garnitur wurde daraufhin in Minden modernisiert und steht seit September 2002 unter der Bezeichnung »Schienenprüfzug 2« wieder im Einsatz. Dieser Zug ist einheitlich leuchtendgelb lackiert. 2009 wurde der Triebkopf 719 001 zusätzlich mit einem Messstromabnehmer auf dem Dach ausgestattet.

Hersteller Fabriknr. Baujahr Typ urspr. Gattung Bauart Fahrzeugnr.
Uerdingen 79897 1974 614 B'2'-dh 719 001-0     Untersuchungsdaten vorhanden  
Uerdingen 79898 1974 614 B'2'-dh 719 501-9     Untersuchungsdaten vorhanden  
MBB 09032 1974 914 2'2' 720 001-7     Untersuchungsdaten vorhanden  

719.1

719 101. Foto: P. Böttger
719 101 in Windeck-Herchen (2006) Foto: P. Böttger

Bei Plasser & Theurer wurde 1995 ein zweiter, ebenfalls dreiteiliger Schienenprüfzug in Auftrag gegeben, der als Einzelanfertigung ausgeliefert wurde und die Nummern 719 101 + 720 101 + 719 102 erhielt. Die Drehgestelle wurden von SIG geliefert. Durch die modernere Ausrüstung ist der Zug in der Lage, auch bei 100 km/h seine Messfahrten durchzuführen. Angelehnt an die seinerzeit noch aktuellen Produktfarben der DB, wurde der Zug hellgrau lackiert und erhielt lediglich ein gelbes Fensterband. In der Betriebspraxis kämpft der neue Schienenprüfzug mit anhaltenden Motorproblemen. Seit 2008 wird der Zug grundsätzlich mit je einer Diesellok der Baureihe 203 an jedem Zugende bespannt, um die Motoren dauerhaft stillzulegen. 2011 wurde die Diesellok 218 392 hierfür umgerüstet, die aber bislang nicht vor dem Zug zum Einsatz kam.

Hersteller Fabriknr. Baujahr Typ urspr. Gattung Bauart Fahrzeugnr.
Plasser & Theurer 110 1995 SPE 140 B'2'-dh 719 101-8   Beheimatungsdaten vorhanden Untersuchungsdaten vorhanden Fahrzeug wurde verschrottet
Plasser & Theurer 110 1995 SPE 140 B'2'-dh 719 102-6   Beheimatungsdaten vorhanden Untersuchungsdaten vorhanden Fahrzeug wurde verschrottet
Plasser & Theurer 110 1995 SPE 140 2'2' 720 101-5   Beheimatungsdaten vorhanden Untersuchungsdaten vorhanden  

719 (LIMEZ III)

719 046. Foto: M. Ketelhake
719 046 in Hameln (2011) Foto: M. Ketelhake

Im Herbst 2005 wurde im Werk Cottbus aus den beiden Triebköpfen 614 045 und 614 046 ein neuer Bahndienstzug hergestellt. Die beiden Wagen erhielten die neuen Nummern 719 045 und 719 046 und erwecken damit den Anschein, in ihrem neuen Aufgabengebiet ebenfalls der Schienenprüfung zu dienen. Tatsächlich handelt es sich jedoch um einen Lichtraummesszug, so dass eigentlich eine Einreihung bei der Baureihe 712 sinnvoller gewesen wäre. Im Dezember 2005 erfolgte die Abnahme des zweiteiligen Zuges, der ungewöhnlicherweise wieder die eigentlich ausgelaufene hellgrau-gelbe Lackierung erhielt.

Das Aufgabengebiet des Zuges ist die Profilmessung des Streckennetzes, um stets abrufbereite Informationen über die Tauglichkeit des Netzes für den Transport sperriger Güter u.ä. zu erhalten. Kernstück des Lichtraummesszuges ist ein auffälliger Messrahmen, der an der Front des 719 046 montiert wurde. Sie bestehen aus einem Videomesssystem oberhalb der Frontscheibe sowie 2D-Fächer- und 2D-Rotations-Laserscanner sowie Scannern zur Messung des Schienenprofils. Das Messsystem erfasst 550 Profile pro Sekunde und ermittelt dabei 3 600 Abstandswerte pro Profil. Dieses System ist den bislang eingesetzten LIMEZ- und LIMEZ II-Messwagen deutlich überlegen und ermöglicht auch bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h einwandfreie Messergebnisse.

Entwickelt wurde das Messsystem durch die Zusammenarbeit des Fraunhofer Institut für physikalische Messtechnik mit FTI Engineering Network GmbH und Metronom Automation. Die offizielle Übergabe des Zuges erfolgte erst im September 2006 auf der Innotrans 2006. Durch seine Indienststellung wurde der bisher für diese Aufgabe verwendete 712 101 | 713 001 überflüssig und nach nur acht Dienstjahren abgestellt.

Hersteller Fabriknr. Baujahr Typ urspr. Gattung Bauart Fahrzeugnr.
Uerdingen 79913 1974 614 ABDyms B'2'-dh 719 045-7   Beheimatungsdaten vorhanden Untersuchungsdaten vorhanden  
Uerdingen 79914 1974 614 ABDyms B'2'-dh 719 046-5   Beheimatungsdaten vorhanden Untersuchungsdaten vorhanden